1
Als ich am Morgen, im Anschluß an eine mehrjährige Sintflut, im verstaubten Kellergewölbe eines mir unbekannten Domizils, erwachte, lag eine mehrstöckige Staubschicht auf mir und drohte mich zu erdrücken. Ich wollte mich erheben, doch wurde ich von einer, nicht unerheblichen, Muskelschwäche daran gehindert. Hinzu kam eine geistige Umnachtung höheren Grades, die mich ernsthaft an einem klaren Gedanken hemmte.
Nach einer gewissen ungewissen Weile hatte ich meine Motorik so weit unter Kontrolle, daß ich mich auf die Suche nach einem Ausweg aus dieser mißlichen Lage begeben konnte.
Im Anschluß an meine glückliche Befreiung fand ich mich auf einem Anwesen ungeahnter Ausmaße wieder, doch schien es unbewohnt zu sein.
Plötzlich schlug unerwartet eine Tür im oberen Gewölbe und brachte mich in die Nähe eines Herzinfarktes. Als ich mich wieder beruhigt hatte, begab ich mich auf die Suche nach der geschlagenen Tür. Ich fand und öffnete sie.
Bei dem Anblick, der sich mir bot, flüchtete ich in eine tröstende Ohnmacht.
Es war die Realität, die mir haßerfüllt ins Auge blickte und mich mit Angst und Schrecken überwältigte. Ich drehte mich um und lief laut schreiend davon.
Ich sprang aus dem nächstbesten Fenster und genoß die gelungene Flucht, feierte sie mit einer ungehörigen Portion Verwegenheit.
2
Meinen ungebremsten Sturz fingen Palmwedel auf und ließen mich an den Gestaden einer halbmondförmigen Insel stranden, mitten in einem Meer aus Benzin. Verworren schaute ich mich um und fragte mich, ob hier Leben, ob überhaupt Leben, existieren kann? Doch ein kleiner Affe wankte mir den Weg.
Barbusige Frauen riefen mir etwas unglaublich schönes zu, das ich niemals verstand. Es schien mir, als wäre ich der König dieser Insel. Speis´ und Trank fielen mir zu Füßen, während ich nach Bodenschätzen suchte, auf diesem unberührtem Eiland. Entgegen mehrfacher Überzeugung merkte ich, daß dieses kostbare Einod schon geplündert wurde und warf meine aufgerauchte Gauloises ins Meer, welches explodierend implodierte.
Es muß wohl so um 03.15 gewesen sein, als eine Seele meine Korpus Delikti fand und flugs beschloß, ihn als ihr Eigentum zu deklarieren.
3
Die Seele beschloß, mich in eine Vergangenheit zu transferieren, und so lief ich, 11 Jahre vor dem Heute, sang- und klanglos durch den Untergang. Auf einem Spielplatz der Mächtigen taumelte ich und wurde von allen Seiten arglistig beäugt. Ich baute eine hundertjährige Sandburg, die von allen anwesenden freudig begrüßend niedergetrampelt wurde, da sie ihre Autorität begrub.
Erschreckendes kam zutage, als ich in den Resten meiner Burg stocherte und nicht wußte wonach, wozu. Tagelang suchte ich jahrelang und fand so manches Wesen, das sich fröhlich aus meinen Händen wand. Am Grunde meines Bewußtseins fand ich unerwünscht meine Unschuld, die sich wimmernd aus meinem Griff lösen wollte und konnte, die auf Nimmerwiedersehen aus meinem Leben verschied.
Die hundertjährige Sandburg konnte sie nicht halten, denn sie stand der zweitausendjährigen Hure zu.